Fremdkörper Ingestion

04.05.18 - Ersetzt die Version von 04/2007 im Ordner Gastroenterologie

Inhaltsverzeichnis

Autor: Dr. Spalinger (Päd. Gastroenterologie), Dr. Zundel (Kinderchirurgie), Dr. Imahorn (Interdisziplinäre Notfallstation)
Version: 05/2018

Key Points

Knopfbatterie: Ingestionen sind immer mit grösster Priorität zu beurteilen und bei Impaktion in der Speiseröhre ohne Verzug zu entfernen (innerhalb von max 2 h) auch bei Symptomfreiheit.

Bei Fremdkörper (FK)-Ingestionen ist eine rasche Einbestellung in die Notfallstation empfohlen und die Durchführung einer Bildgebung (Thorax inkl. Hals/Abdomen, ev. 2 Ebenen) auch bei asymptomatischen Kindern oft notwendig. Falls der Fremdkörper bekannt ist, möglichst "baugleiches Objekt" mitbringen lassen.

Meist passieren die Fremdkörper den GI-Trakt ohne Probleme, allerdings sind schwerwiegende Komplikationen mit Todesfällen beschrieben.

Die Indikation und Dringlichkeit zur bildgebenden Diagnostik und endoskopischen FK-Entfernung richtet sich nach der Klinik, der Art und Lokalisation der Fremdkörper.

Cave FK-Aspiration: Bei Begleitsymptome wie Husten, Atemnot oder Fieber.


Primärer Ansprechpartner für alle Patienten und zu allen Uhrzeiten ist der diensthabende Kinderchirurg (24h-Abdeckung gewährleistet). Eine Zusammenarbeit mit der pädiatrischen Gastroenterologie ist erwünscht und wird durch den Kinderchirurgen koordiniert.

Grundsatz

  • FK im Oesophagus → rasch entfernen!
  • FK im Magen → passieren meist spontan innerhalb 4 – 6 Tagen
  • < 5 Jahre: Gegenstände > 3.0 cm x 2.0 cm
  • > 5 Jahre: Gegenstände > 5.0 cm x 2.0 cm
  • spitze und scharfrandige Gegenstände

Vorgehen nach Art der Fremdkörper

1. Stumpfe Fremdkörper/ Münzen/ Nahrungsbolus:

  • Fremdkörper, welche im Oesophagus stecken bleiben innerhalb von 24 h entfernen, auch bei asymptomatischem Kind
  • bei Symptomen (retrosternale Schmerzen, vermehrtes Speicheln, Erbrechen): Entfernung innerhalb 2 Stunden

2. Spitze und scharfe Objekte:

  • Fremdkörper im Oesophagus bzw. Magen oder proximalen Duodenum bzw. wenn als "gefährlich" eingestuft innerhalb von 2 h
  • falls FK nicht geborgen wird, muss Passage alle 24-72 h dokumentiert werden.

3. Knopfbatterien

  • Oesophagus: Entfernung innerhalb 2 h auch bei Symptomfreiheit
  • Magen: falls Kind symptomatisch oder vermutete/bekannte GI-Anomalie Entfernung innerhalb 2 h
  • asymptomatisches Kind: Entfernung sofern im Röntgen nach 48 h erkennbar und wenn Batterie > 2.0 cm

4. Zylinderbatterien:

  • Entfernung < 24 h wenn im Oesophagus bzw. bei Symptomen aus dem übrigen GI-Trakt.
  • asymptomatisches Kind: Zylinderbatterie im Magen belassen und das Kind ambulant beobachten (Röntgen nach 7 -14 Tagen falls nicht im Stuhl)

5. Mehrere Magnete

  • Entfernung innerhalb von < 24 h aller Magnete welche in endoskopischer Erreichbarkeit sind
  • ausserhalb der endoskopischen Reichweite, engmaschige ggf. stationäre Überwachung und bei "non-progression" laparoskopische oder offen chirurgische Entfernung
  • ein einzelner Magnet wird wie ein stumpfer FK behandelt

6. Nahrung / Bolus Impaktion

  • Entfernung innerhalb 2 h bei Auftreten von Symptomen (Speichelfluss, Halsschmerzen)
  • bei asymptomatischen Kind Entfernung innerhalb 24 h.

7. Arzneien / "drug packets"

  • keine endoskopische Entfernung empfohlen

Technik und Ausrüstung der Fremdkörperentfernung

  • die flexible Endoskopie gilt als sichere und effiziente Methode zur Entfernung von Fremdkörpern aus dem GI-Trakt. Fremdkörperzangen (Rattenzahn-Zange, Polypektomie-Zange, Fasskörbchen etc.) in Bereitschaft
  • spitze Gegenstände sollen mit einer Schutzkappe (Capuchon Fa. MTW Wesel) extrahiert werden

Literatur

  • Tringali Andrea et al. Pediatric gastrointestinal endoscopy: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) and European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) Guideline. DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-111002 Published online: 2016 Endoscopy
  • Thomsen M, Tringali A, Landi R. et al . Pediatric gastrointestinal endoscopy: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) and European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) Guideline JPGN 2017;64:133-153.
  • Kurzai M, Köhler H. Gastrointestinale Verätzung und Fremdkörperingestion. Monatsschrift Kinderheilkd 2005;153:1197–1208