Säure / Laugen Ingestion (Ingestion ätzender Substanzen /Caustic ingestion)

04.05.18 - Ersetzt Version 04/2007 im Ordner Gastroenterologie

Inhaltsverzeichnis

Autor: Dr. Spalinger (Päd. Gastroenterologie), Dr. Zundel (Kinderchirurgie), Dr. Imahorn (Interdisziplinäre Notfallstation)
Version: 05/2018

Key Points


Die Ingestion von ätzenden Substanzen ist eine lebensbedrohliche Situation, insbesondere da Verätzungen auch die Atemwege schwer beeinträchtigen können.

Es ist kontraindiziert, Kinder zum Erbrechen zu bringen oder Substanzen zur Neutralisation zu verabreichen.

Fehlende Ätzspuren im Mund schliessen eine Ingestion nicht aus!

Inspektion und Reinigung anderer Körperteile, insbesondere Haut und Augen.

Endoskopie: Abhängig vom Schweregrad innerhalb von 24h.

Risiko für Schleimhautläsionen

  • Alkalische Lösungen →schwerere Schleimhautverletzungen im Oeosphagus
  • Säuren → Magenverletzungen


Ambulant vs. stationäre Überwachung: nach jeder gesicherten Säure- oder Laugeningestion bzw. bei unsicherer Ingestion mit Symptomen wie Salivation, Nahrungsverweigerung, Würgen, Erbrechen und schmerzbedingter Unruhe →Hospitalisation.

Vorgehen nach Ingestion ätzender Substanzen

  • Sicherung Vitalparameter
  • Unfallhergang, Sicherung Behälter mit verschluckter Substanz
  • Endoskopie
    • Zeitpunkt: abhängig von Symptomatik aber innerhalb 24 h nach Ingestion (Durchführung: Kinderchirurgie mit Gastroenterologie)
    • Jedes Kind mit vermuteter Säuren/Laugen-Ingestion und Symptomen (orale Läsionen, Erbrechen, Speicheln, Dysphagie, Hämatemesis, Dyspnoe, Bauchschmerzen)
    • keine Endoskopie: nach vermuteter Ingestion ohne Symptome
  • Steroide
    • Die Verabreichung von Dexamethason (1 g/1.73 m2) wird für die Dauer von 3 Tagen bei einer korrosiven Schleimhautschädigung im Oesophagus (Grad IIb) empfohlen, als Stenoseprävention.
  • PPI
    • 1- 2 mg Omeprazol/kg/d iv
  • Antibiotika
    • primäre Gabe von Antibiotika (Amoxi/Clavulansäure) nur bei Verdacht auf tiefe Verätzung oder Perforation

Einteilung Schweregrad der Oesophagus Läsionen

Grad 0

Keine Verletzung

Grad I

Erythem und Ödem

Grad IIa

Oberflächliche Ulzerationen und Blutungen, Fibrinbeläge

Grad IIb

IIa plus zirkuläre Beteiligung

Grad III

Tiefe Ulzerationen, Nekrosen; mit und ohne Perforation

Komplikationen

  • Frühkomplikationen: Perforation, Mediastinitis, Aspirationspneumonie
  • Spätkomplikationen: Fistelbildung, Blutung, Stenose
  • Strikturen entstehen sowohl bei Laugen- wie auch Säure-Ingestionen.

Ernährung

  • Bei schwerer Verätzung ist in den ersten Tagen in der Regel eine parenterale Ernährung notwendig
  • Sobald Patient schluckt, kann eine orale Ernährung (klare Flüssigkeit, flüssige Kost) gestartet werden
  • Wenn der Patient nicht schluckt, kann unter Sicht eine naso-gastrale (evtl. naso-jejunale) Sonde eingelegt werden

Nachkontrolle

  • Radiologische bzw. endoskopische Kontrolle nach ca. 3 - 4 Wochen

Literatur

  • Tringali Andrea et al. Pediatric gastrointestinal endoscopy: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) and European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) Guideline. DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-111002 Published online: 2016 Endoscopy
  • Thomsen M, Tringali A, Landi R. et al . Pediatric gastrointestinal endoscopy: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) and European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) Guideline in press 2016
  • Kurzai M, Köhler H. Gastrointestinale Verätzung und Fremdkörperingestion. Monatsschrift Kinderheilkd 2005;153:1197–1208