Analgosedation: Medikamente und Kombinationen

1/22/20 - Hinweis auf Methoxyfluran (Einführung) eingefügt

12/23/19 - Dosierungsschemata MAD (nasale Medikation) eingefügt

9/30/19 - Esketamin/ (S)-Ketamin rectal als Bemerkung noch eingefügt

2/12/19 - Verweis auf im Alltag eingesetzte Kombinationen (Dormicum/Fenta: Achtung beide atemdepressiv), Ketanest (selten, ausgewählte Situationen mit OA), Pilot-Projekt Penthrox: Erläuterungen

2/12/19 - In Zimmern mit Mehrfachbelegung (Zimmer 3) Anwendung minimieren / zurückhaltend anwenden

1/31/18 - Nalbuphin iv/nasal eingefügt

Inhaltsverzeichnis

Autor: P. Imahorn, A. Donas, H. Stocker, B. Egger, C. Hauri, M. Liechti (alle INS), M. Hölzle (Kinderanästhesie)
Version: 06/17, ergänzt 01/2018 und 02/2019, akt. 12/2019, 01/2020

 

alle Medikamentendosierungen: iDoseCalc

Es gilt hier auch: Schmerzkonzept Kinderspital

Dosierungsschemata MAD (nasale Applikation)

Folgende Szenarien können je nach Situation zur Anwendung gelangen:

Reine Sedation

Midazolam (Dormicum®)
zb ängstliches, unruhiges Kind zur Katheterisierung/PIV, zum Setzen einer Lokalanästhesie
Wirkt rectal schneller (ca. 10min) als po (>30min)

Einschränkungen:
Anwendung < 6 Mten (korrigiert): Indikation mit OA besprechen
Nicht anwenden <3 Mten (korrigiert)

alternativ:
Chloralhydrat
zb ängstliches, unruhiges Kind zur Katheterisierung/PIV
Nachteil: langsamere Kinetik im vgl zu Midazolam

Leichte Analgosedation

Lachgas 50/50%
zb kleinere, kurze Eingriffe mit wenig Schmerzpotential, zum Setzen einer Lokalanästhesie, Lumbalpunktion, Trepanation Nagel, Gelenkpunktionen, einfache Wundversorgungen, Zahnextraktionen in LA durch MKG-Chirurgen (Nasenmaske!)
Vorteil: sichere Methode, rascher Wirkungseintritt/-austritt
Nachteil: gute Kooperationsfähigkeit vorausgesetzt (in der Regel ab 4-5 Jahren), nur für leichte Schmerzen genügend wirksam

Bemerkung: In Zimmern mit Mehrfachbelegung (Zimmer 3) Anwendung minimieren / zurückhaltend anwenden

--> wir haben dazu ausführlichere Informationen

Stärkere Analgosedation

Lachgas 70/30%
zb kleinere, kurze Eingriffe mit grösserem Schmerzpotential, Daumenluxationen, schwierige Spickdrahtentfernung
Vorteil: bessere Analgesie als 50/50
Nachteil: höhere NW-Rate (Emesis, Schwindel, Unruhe) --- mit OA-Begleitung

Fentanyl nasal
zb Umlagerung von Patienten mit Oberschenkelfrakturen, rasche Schmerzlinderung bei disloz. Frakturen
Vorteil: schnell, kein iv-Zugang nötig

Einschränkungen:
Ab 10kg KG

Fentanyl iv
dito, bei Patienten mit liegender Leitung als Alternative zur nasalen Applikation
Vorteil: einfache Applikation, sichere Methode, rasches Anfluten (5-10 Min)
Nachteil: kurze Wirkdauer (30-45 Minuten). Cave: Langsam spritzen (NW Thoraxrigidität)

Einschränkungen:
Ab 10kg KG

Morphin iv
Stärkere Schmerzen ohne unmittelbarsten Handlungsbedarf (sonst Fentanyl vorziehen): Typisches Folgemedikament nach Fentanyl: längere Wirkdauer, langsameres Anfluten.

Opiate iv: Gut titrierbar je nach Schmerzintensität: Lieber repetitiv als grössere Einzeldosen.

Einschränkungen:
Ab 10kg KG

Nalbuphin iv/nasal

Bemerkung: Nalbuphin ist ein μ-Antagonist und k-Agonist, der Analgesie und v.a. Sedierung bewirkt. Kombination mit klassischen Opiaten nicht sinnvoll (Antagonist!)

Einzeldosis iv 0.1 - 0.2 mg/kg

Einzeldosis nasal 0.3 - 0.4 mg/kg

Einschränkungen:
Kleine Säuglinge <3 Mte (z.B. LP) mit 0.05mg/kg iv beginnen. Mit OA-Begleitung

Kombinationen

Lachgas 50/50 + Fentanyl nasal

stärkere Analgosedation bei kurzen Eingriffen
zB Reposition Daumenluxation, Trepanation Panaritium, Débridement nach thermischer Verletzung, Reposition metaphysärer Wulstfrakturen u.Ä. --- mit OA-Begleitung

Dormicum und Nalbuphin iv / rectal-nasal
Alternative bei Intoleranz ggü der Lachgas-Maske mit ähnlicher analgosedativer Wirkung wie Lachgas 70/30 oder Lachgas 50/50 mit Fentanyl.

Diese Kombination kann auch gewählt werden ohne iv-Zugang (Midazolam rectal/Nalbuphin nasal wie oben beschrieben)

Dormicum und Fentanyl rectal-nasal

Kann kombiniert werden, es handelt sich allerdings um die Kombination zweier potentiell atemdepressiver Medikamente. Nebenwirkungen sind daher noch mehr zu antizipieren (2. Wahl)

Mit OA-Begleitung

Ketanest (Esketamin, (S)-Ketamin)

nasal oder rectal 2-4mg/kg (oder 0.25 - 1mg/kg iv: langsam über 60s injizieren): Ausgewählte, vorbesprochene Situationen. Oftmals in Kombination mit Midazolam.

Methoxyfluran (Penthrox®): Inhalatives Analgosedativum in einer Art PCA. Wir haben ein separates Schema