Nabeldesinfektion beim Neugeborenen

Inhaltsverzeichnis

Autor: Dr. med. Martin Stocker
Version: 03/04

 

Grundlagen

Das Hauptziel einer guten Nabelpflege muss die Verhinderung einer Omphalitis sein. Eine Omphalitis ist eine seltene, aber potentiell lebensgefährliche Komplikation, welche Ausgangspunkt für eine nekrotisierende Fasziitis mit einer hohen Mortalität sein kann. Als weitere Komplikation einer Omphalitis sind ausgedehnte Pfortaderthrombosen beschrieben worden (1).

In letzter Zeit sind vermehrt Bestrebungen im Gange, eine „trockene“ Nabelpflege ohne Nabeldesinfektion durchzuführen, welche einfacher durchzuführen und sicher sei. In einer randomisierten klinischen Studie zeigte jedoch Janssen im Vergleich einer Nabelpflege mittels regelmässiger Nabeldesinfektion oder aber einer trockenen Nabelpflege eine statistisch signifikant erhöhte Besiedelungsrate des Nabelstumpfes mit Staph. aureus, E.coli und Strepto B und einen Omphalitisfall in der Gruppe der trockenen Nabelplege. In der Gruppe der Neugeborenen mit regelmässiger Nabeldesinfektion trat kein Omphalitisfall auf (2).

Die regelmässige Anwendung von Salicylatzucker (Nabelzucker) bewirkt ein schnelleres Eintrocknen und Abfallen des Nabelstumpfes (3). Keinen Einfluss hat der Nabelzucker auf das Risiko einer Omphalitis. Die Anwendung von Nabelzucker ist damit nicht zwingend gegeben, insbesondere da die Pflegenden von einer grossen Unsicherheit und teilweise auch Überforderung der Mütter im Wochenbett berichten. Nicht sinnvoll ist die Anwendung von potentiell allergiesierenden Stoffen, wie beispielsweise Calendula. In einem „Nabelpuder“ von Weleda, welches mancherorts verwendet wird, ist Calendula enthalten.

Die Nabelpflege soll so sicher und einfach wie möglich durchgeführt werden. Aus diesem Grunde wird die regelmässige Nabeldesinfektion zwingend durchgeführt, jedoch auf die systematische Anwendung von Salicylatzucker verzichtet.

Nabeldesinfektion

Nach Rücksprache mit Dr. M. Rossi, LA Infektiologie KSL wird die Nabeldesinfektion mit Merfen®-Tinktur (Chlorhexidin 0.5%) durchgeführt. Vorteile sind die gute Wirksamkeit gegen gram-positive und gram-negative Keime, die Verfügbarkeit von kleinen Packungsgrössen und der niedrige Preis. Die Nabeldesinfektion wird nach Geburt und nach dem Wickeln durchgeführt, solange der Nabelstumpf noch vorhanden ist.

 

Quellen:

  1. Mason W et al. Omphalitis in the newborn infant. Pediatr Infect Dis J. 1989;8:521-555
  2. Janssen P et al. To dye or not to dye: A randomized, clinical trial of a triple dye/alcohol regime versus dry cord care. Pediatrics 2003;1:15-20 (Abstract)
  3. Pezzati M et al. Umbilical cord care: the effect of eight different cord-care regimes on cord separation time and other outcomes. Biol Neonate 2002;81(1):38-44 (Abstract)