Phototherapie

Inhaltsverzeichnis

Autor: Dr. med. M. Stocker
Version: 01/13

Hintergrund

Seit Jahrzehnten wird die Phototherapie zur Behandlung der Hyperbilirubinämie verwendet. Diese Therapieform ist effizient und sicher und hat die Gefahr des Kernikterus deutlich reduziert. Auf unseren Abteilungen finden sich derzeit verschiedene Phototherapiesysteme, welche sich teilweise hinsichtlich Wirksamkeit und Anwendung unterscheiden.

Physikalische Grundlagen

Um zu verstehen, wie eine optimale Wirksamkeit der Phototherapie erreicht wird, ist es notwendig, einige physikalische Grundsätze zu kennen, da die Phototherapie eine dosisabhängige Wirkung hat.

  • Lichtspektrum (Wellenlängenbereich des Lichtes): Abhängig von der Lichtquelle und den Filtern wird ein bestimmtes Lichtspektrum ausgestrahlt. Auf Grund der Eigenschaften der Haut und des Bilirubins liegt der wirksamste Wellenlängenbereich zur Therapie der Hyperbilirubinämie im blau-grünen Spektrum.
  • Lichtintensität: Die Intensität des Lichtes auf der Haut ist abhängig von der ausgestrahlten Lichtintensität der Lampe und dem Abstand der Lampe zur Haut. Umso grösser dieser Abstand ist, umso kleiner ist die entsprechende Intensität auf der Haut. Ebenso verkleinert eine durchstrahlte Oberfläche (zB Isolettenwand) je nach Beschaffenheit die Lichtintensität. Da die Leuchtkörper nach einer gewissen Brenndauer an Intensität verlieren, müssen diese nach einer definierten Brennzeit ausgewechselt werden.
  • Bestrahlte Oberfläche: Die Wirkung der Phototherapie ist abhängig von der Grösse der bestrahlten Oberfläche. Um verschiedene Lampensysteme untereinander vergleichen zu können, muss die Grösse der bestrahlten Oberfläche ebenfalls mitberechnet werden. 
  • Voraussetzung für die Wirkung ist eine genügend hohe Bilirubinkonzentration in der Haut (vgl. Fig). Eine prophylaktische Phototherapie bei tiefen Serumbilirubinwerten ist daher nicht sinnvoll.

Notwendig zur optimalen Wirkung der Phototherapie

  • Lichtspektrum im blau-grünen Wellenbereich
  • Lampe mit hoher Lichtintensität (Alter des Leuchtkörpers beachten)
  • Abstand Lampe – Haut möglichst klein
  • Bestrahlte Hautfläche möglichst gross
  • Genügend hohe Bilirubinkonzentration in der Haut

Fig. 1: Phototherapieeffekt auf Bilirubin (2)

Phototherapielampen im Kinderspital

Derzeit finden sich verschiedene Lampensysteme zur Therapie der Hyperbilirubinämie im LUKS (Kinderspital, Frauenklinik). Vereinfacht kann festgehalten werden, dass die in Isoletten und Einheiten integrierten Lampensstemen den übrigen unterlegen sind.

Anwendung der Phototherapie

Im klinischen Alltag gibt es vereinfacht 2 Indikationsgruppen für eine Phototherapie:

  • einfache Hyperbilirubinämie, jedoch sowohl vom absoluten Bilirubinwert als auch vom Verlauf her mit „Reserve“ gegenüber der Austauschgrenze. Das Ziel der Phototherapie ist primär das Vermeiden des weiteren Anstieges und ein Absinken der Hyperbilirubinämie im Verlauf → Standard-Phototherapie

  • Hyperbilirubinämie über oder an der Austauschgrenze. Da eine erhebliche Gefahr für einen Kernikterus besteht, ist das Ziel der Phototherapie eine möglichst schnelle Reduktion der Hyperbilirubinämie → Intensiv-Phototherapie

Standard-Phototherapie

Die Anforderungen an die Standard-Phototherapie können mit allen Lampenmodellen im LUKS problemlos erreicht werden. Es soll darauf geachtet werden, dass der Abstand Kind – Lichtquelle nicht zu gross ist (Standard ca. 30 cm) und das Licht einen grossen Teil der Körperoberfläche bestrahlt.

Intensiv-Phototherapie

Möglichst die neuen Lampensysteme mit LED benutzen (zB neoBLUE von Nufer). Vorteil von der LED-Lichtquelle ist die minimale Wärmeproduktion, womit ein Minimalabstand Lampe – Kind von 10cm ausreichend ist. Zwingend mehrere Lampen benutzen (bis zu 3 Lampen). Das Kind soll völlig entkleidet und ohne Windeln sein, um die bestrahlte Oberfläche zu maximieren. Die Phototherapie soll zudem möglichst nicht unterbrochen und die Bilirubinkontrollen entsprechend intensiviert werden.