Antithrombotische Therapie und Prophylaxe bei Neugeborenen und Kindern

Inhaltsverzeichnis

Autoren: T.M. Berger
Version: 09/13

Zur Verfügung stehende Antithrombotika

  • Unfraktioniertes Heparin (UFH)
  • Niedermolekulare Heparine (LMWH)
  • Vitamin-K-Antagonisten

Ziel-AntiFXa-Aktivität

  • UFH: Ziel-AntiFXa-Aktivität 0.35-0.7 E/ml oder eine Ziel-aPTT, die mit dieser Anti-Xa-Aktivität korreliert
  • LMWH: Ziel-AntiFXa-Aktivität 0.5-0.8 E/ml für eine Blutentnahme 2 bis 6 Stunden nach der letzten subcutanen Injektion (gilt für alle LMWH, die entweder ein- oder zweimal pro Tag verabreicht werden)
  • Für eine Therapie mit Vitamin-K-Anatgonisten wird eine Ziel-INR von 2-3 empfohlen (Ausnahme: mechanische Herzklappen, bei denen die gleichen Zielwerte wie bei Erwachsenen gelten)

Alterabhängige initiale Dosierung der im Kindesalter verwendeten Heparine

Unfraktioniertes Heparin

UFH Therapie Prophylaxe
1. Bolus 75 E/kg i.v. während 10 Minuten Keine
2. Dauerinfusion    
Alter < 1 Jahr 28 E/kg/Stunde 10 E/kg/Stunde
Alter > 1 Jahr 20 E/kg/Stunde 10 E/kg/Stunde

 

Low Molecular Weight Heparins

Enoxaparin (Clexane) Therapie Prophylaxe
Alter < 2 Monaten 1.5 mg/kg/Dosis s.c. alle 12 Stunden 0.75 mg/kg/Dosis s.c. alle 12 Stunden
Alter > 2 Monaten 1.0 mg/kg/Dosis s.c. alle 12 Stunden 0.5 mg/kg/Dosis s.c. alle 12 Stunden

 

Dalteparin (Fragmin) Therapie Prophylaxe
Alle Altersgruppen 129 ± 43 E/kg/Dosis s.c. alle 24 Stunden 92 ± 52 E/kg/Dosis s.c. alle 24 Stunden

 

Antithrombotische Therapie und Prophylaxe in speziellen klinischen Situationen

Zentralvenenkatheter

  • Häufigste Thromboseursache im Kindesalter
  • Neugeborene mit ZVK- oder Umbilikalkatheter-assoziierter Thrombose:
    • Antikoagulation mit Heparin über 6 Wochen bis 3 Monate
    • Beginn sofort oder erst einige Tage später, nach radiologischen Hinweisen einer Zunahme des Thrombus
    • Entfernung des Katheters empfohlen, allerdings erst 3-5 Tage nach Beginn der Antikoagulation (zuvor Risiko der paradoxen Embolie durch PFO)
  • Bei älteren Kindern mit ZVK-assoziierter Thrombose:
    • Antikoagulation über 3 Monate

Idiopathische Thrombosen

  • Im Kindesalter sehr selten
  • Bei Neugeborenen fast ausschliesslich Nierenvenenthrombosen
    • falls unilateral: eventuell abwartendes Vorgehen statt Antikoagulation mit Heparin; erst bei Zunahme der Thrombose wird eine 6- bis 12-wöchige Antikoagulation initiiert
    • falls unilateral mit Extension in Vena cava inferior oder falls beidseitige Nierenvenenthrombose: sofortige Antikoagulation (eventuell Thrombolyse)
  • Ältere Kinder mit idiopathischen Thrombosen
    • Antikoagulation mit Heparin oder Vitamin-K-Antagonisten für 6-12 Monate
    • falls rezidivierend: zeitlich unbegrenzte Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten

Thrombosen durch arterielle Katheter

  • Bei akuter Thrombose der Femoralarterie nach Herzkatheteruntersuchung: 5- bis 7-tägige Antikoagulation mit Heparin; bei drohender Nekrotisierung der betroffenen Extremität: Thrombolyse oder, falls diese kontraindiziert, chirurgische Thrombektomie
  • Bei Thrombosen durch liegende arterielle Katheter: Katheter sofort entfernen und Therapie mit Heparin

Sinusvenenthrombosen (SVT)

  • Neugeborene mit SVT ohne sigifikante Hämorrhagie: Heparin während 6 Wochen bis 3 Monaten
  • Neugeborene mit SVT mit signifikanter Hämorrhagie: Option eines 5-7 Tage langen, radiologisch überwachten abwartenden Vorgehens
  • Bei älteren Kindern: ähnliches Vorgehen, Heparinisierung aber für mindestens 3 Monate; bei persistierendem Verschluss Verlängerung um weitere 3 Monate
  • Thrombolyse, Thrombektomie oder chirurgische Dekompression nur bei älteren Kindern mit schwerer SVT, die nicht auf die initiale Heparinisierung anspricht

Arterieller ischämischer Stroke

  • Neugeborene haben geringes Rezidivrisiko, daher meist keine antithrombotische Therapie (Ausnahme: bei kardio-embolischem arteriellem ischämischem Stroke: Heparin)
  • Ältere Kinder: Acetylsalicylsäure während mindestens 2 Jahren
  • Bei Hinweisen auf Carotis-Dissektion oder kardio-embolische Ursache bei älteren Kindern: Heparin (6 Wochen) oder Vitamin-K-Antagonisten (3 Monate)
 

Referenzen

Albisetti M, Martin G. Antithrombotische Therapie und Prophylaxe bei Neugeborenen und Kindern. 9. ACCP Guidelines über antithrombotische Behandlung. Schweiz Med Forum 2013; 13: 744-745 (PDF)