Imfpungen von Frühgeborenen

Inhaltsverzeichnis

Autor: Dr. med. Martin Stocker
Version: 02/09

Grundlagen

Im Januar 2009 sind für die Schweiz erstmals generelle Impfempfehlungen speziell für Frühgeborene erschienen. Diese Sonderempfehlungen rechtfertigen sich durch die erhöhte Infektanfälligkeit, welche unter anderem durch den niedrigen Antikörpertiter der Kinder bedingt ist. So haben Frühgeborene ein erhöhtes Risiko für Pertussis, Hämophilus influenzae Typ B, Pneumokokken und Influenza. Aufgrund der schnellen Abnahme der mütterlichen Antikörper besteht zudem die Gefahr von frühzeitigen Infektionen durch Masern oder Varizellen. Kinder über 32 0/7 SSW sollen gemäss dem aktuellen schweizerischen Impfplan im Alter von 2, 4 und 6 Monaten geimpft werden.

Impfplan für Frühgeborene

Frühgeborene < 32 0/7 SSW oder mit einem Geburtsgewicht < 1500g werden gemäss einem beschleunigten Impfschema geimpft. So wird die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3 und 4 Monaten durchgeführt. Zusätzlich erhält jedes Kind den konjugierten Impfstoff für Pneumokokken und im Verlaufe des ersten Lebensjahres während den Wintermonaten eine Influenzaimpfung. Die MMR-Impfung wird gegenüber dem herkömmlichen Impfschema ebenfalls vorgezogen.

Di-Te-Per-HiB-Polio (+/- Hepatitis B) 2 Mt 3 Mt 4 Mt   12 Mt
Pneumokokken (Prevenar® 2 Mt 3 Mt 4 Mt   12 Mt
MMR       9 Mt 12 Mt
Meningokokken Gruppe C         12 Mt
Influenza (2 × 1/2 Dosis im Abstand 4 Wochen)       ab 6. Mt im Winter
Hepatitis B (Mutter HbsAg positiv 1. Tag aktiv/passiv, 1 Mt, 6 Mt, zusätzlich ist eine vierte Dosis empfohlen (siehe Red Book 2012)

Frühgeborene, welche zum Zeitpunkt ihrer ersten Impfung noch hospitalisiert sind, werden während mind. 48 Stunden nach der Impfung monitorisiert (erhöhtes Risiko von Apnoen). Frühgeborene, welche auf die erste Impfdosis mit Bradykardien/Apnoen reagiert haben, sollen auch nach der zweiten Impfdosis entsprechend während 24 Stunden monitorisiert werden. Da vor allem bei ehemaligen Extrem-Frügeborenen mit häufigen Bradykardien/Apnoen zu rechnen ist, werden diese Kinder zum Zeitpunkt der zweiten Impfung meistens noch hospitalisiert sein. Falls ein Frühgeborenes auf die erste Impfdosis reagiert und zum Zeitpunkt der zweiten Impfung bereits zu Hause ist, muss eine erneute Hospitalisation zur Überwachung diskutiert werden.

Nachimpfungen für das Umfeld von Frühgeborenen

Durch die rasche Abnahme der mütterlichen Antikörpern ist das Frühgeborene frühzeitg einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Aus diesem Grunde gibt es neu Impfempfehlungen für das Umfeld von Frühgeborenen. Die Vergütungen dieser Impfungen werden von den obligatorischen Krankenversicherungen übernommen, mit Ausnahme der Grippeimpfung und der Pertussisimpfung des familiären Umfeldes.

Pneumokokken (Prevenar®) Aktualisierung (Nachholimpfung) des Impfschutzes der Geschwister unter 2 Jahren
Pertussis Aktualisierung (Nachholimpfung) des Impfschutzes der Geschwister (+/- der Eltern)
HiB Aktualisierung (Nachholimpfung) des Impfschutzes der Geschwister unter 5 Jahren)
MMR Aktualisierung (Nachholimpfung) des Impfschutzes des gesamten familiären Umfeldes
Influenza Impfung des gesamten familiären Umfeldes in den ersten 2 Wochen
Varizellen Aktualisierung (Nachholimpfung) des Impfschutzes des gesamten familiären Umfeldes



 

 

Quellen:

  1. Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit, der Eigenössischen Kommission für Impffragen, der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie und der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie. Impfung von Frühgeborenen. Stand Januar 2009 (BAG-Bulletin Januar 2009, Link Neonet)
  2. Pfister R. et al. Safety of DTPa-based combined immunization in VLBW premature infants: Frequent but mostly benign cardiorespiratory events. J Pediatr 2004;145:58-66 (Abstract)